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Reiseberichte

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Wanderreise: Reiseeindrücke Genua City-Tour

Genua? Das ist doch dieser gelbgraue Steinhaufen? Den Blick den man von der Autobahn aus auf Genua hat. Anders kannte ich bisher Genua nicht. Und dann wird diese Stadt zur Europäischen Kulturhauptstadt ernannt und ihre berühmten Palazzi gehören seit 2006 sogar zum Unesco Weltkulturerbe. Warum? Was ist so grossartig an dieser Stadt?

 

genua1.jpgIch buche diese Reise und bin fasziniert. Unter kundiger charmanter Führung von Susanne Wüthrich werden wir von Tag zu Tag immer vertrauter mit dieser Stadt.

 

Es ist die grösste historische Altstadt Europas mit einer grossen Fussgängerzone. Die Stadt gehört noch den Italienern und wird noch nicht von den Touristen überrannt. Und was uns besonders auffällt: es ist eine sehr saubere Stadt.

 

In den "Carruggi" genannten engen Gassen gibt es viel zu entdecken, kleine Läden, Handwerkbetriebe, aber auch moderne Boutiquen. Und dann steht man plötzlich vor einem der vielen prunkvollen Paläste, die einen Gegensatz zu der engen Altstadt bilden. Man geht hinein, staunt über die grosszügigen Innenhöfe, den Reichtum der prunkvoll ausgestatteten Räume und immer wieder schweift der Blick über die Dächer Genuas aufs Meer. Bedeutende Museen sind in den vielen Palästen untergebracht, aber um alles zu sehen bräuchte man eine Extrawoche. Ich habe mir die Guarnerie-Geige, die Paganini gespielt hat angesehen.

 

Eine einheimische Stadtführerin erzählt uns vieles über das alte und das heutige Genua, führt uns zu schönen Kirchen, kleinen Plätzen, zeigt uns die Reste von den wehrhaften Befestigungsanlagen, macht uns auf die vielen Lifte aufmerksam, die uns schnell nach oben führen, um den spektakulären Blick auf Genua mit seinem Hafen geniessen zu können und um in die gepflegten Gartenanlagen zu gelangen.

 

Es gibt nicht nur die Altstadt, sondern auch breite Einkaufsstrassen mit wunderschönen italienischen Läden. Also, wer Lust auf einen Einkaufsbummel hat, findet in Genua genug Möglichkeiten. Und wir haben auf dieser Reise auch immer wieder genügend Zeit, etwas selbständig zu unternehmen.

 

genua3.jpgAber auch die Umgebung von Genua ist sehenswert. Auf zwei wunderschönen 3-stündigen, nicht zu schweren

Panorama-Wanderungen lernen wir das Hinterland kennen. Eine unberührte Landschaft, viele seltene Blumen, Orchideen, gelber Ginster blüht vor dem blauen Meereshintergrund, grüne Wälder und ein fantastischer Blick auf die Bucht. Und zum Schluss gehen wir ans Meer, können aber leider nur die müden Füsse im Meer baden, weil wir alle unsere Badeanzüge vergessen haben.

 

Diese Reise wird noch lange in mir nachwirken, nicht zuletzt auch wegen der guten ligurischen Küche, die wir in kleinen typischen italienischen Restaurants geniessen durften und einem gut gelegenen Hotel mitten in der Altstadt.Eine gute Mischung zwischen Kultur und Natur. Dass es eine Kurzreise war, wurde auch von vielen Teilnehmern geschätzt.

 

Veronika Olshausen, im Juni 2009

 

Wanderreise: Cannobio am Lago Maggiore

Es hat gut angefangen. Wir reisten erste Klasse mit dem Zug direkt nach Locarno, dann mit dem Bus via Brissago nach Cannobio. Da wir mit ÖV reisten, erhielten wir auch einen ersten Eindruck der lokalen Bevölkerung. Wir waren also keine isolierte Touristengruppe. Wer die Gegend nur aus dem Privatauto oder dem klimatisierten Busfenster betrachtet, wird das Gebiet nicht wirklich kennen lernen. Ohne „Tuchfühlung" mit den örtlichen Einwohnern bleibt es eine distanzierte Erfahrung, die sich vor allem auf das Visuelle beschränkt. Durch ein gutes Schicksal kamen wir später der italienischen Bevölkerung noch näher als ursprünglich geplant...

 

italien1.jpgDer Grossteil des Lago Maggiore befindet sich auf italienischem Gebiet. Wir wohnten direkt am See in einem kleinen italienischen Dorf, das reich an kunsthistorischen Sehenswürdigkeiten ist. Das Hotel war gut gewählt: ruhig, attraktives Interieur, mit einem schönen Hotelgarten. Auch kulinarisch wurde bald klar, dass die italienische Küche zu recht als die beste gilt.

 

Schon auf der Reise im Zug bemerkten wir, dass der Herbst nach dem Gotthard noch nicht eingetroffen ist. Die grüne Farbe herrschte noch vor. Während des gesamten Aufenthaltes hatten wir sonnige, warme Spätsommertage. Sogar Baden im See war noch möglich. Ausser den vielen Kastanien am Boden deutete kaum etwas auf den kommenden Herbst hin.

 

Nach dem Einchecken gab es eine erste örtliche Führung und einen angenehmen Kurzausflug entlang des Flusses Cannobino zur Kappelle „Orrido Sant'Anna". Am zweiten Tag führte uns eine beeindruckende Wanderung mit einmaliger Aussicht auf den See über einen Hügel zum malerischen Cannero Riviera, ein Ort der diese Bezeichnung zu recht führt. Eine traumhaft schöne Uferpromenade, gezäumt von Hotels und Restaurants, die mehr an Villen und Herrschaftshäuser erinnern als an Gaststätten. Kein Wunder gehört diese Destination zu dem Topadressen in den südlichen Touristengebieten.

 

italien2.jpg

Mit dem Schiff fuhren wir am späteren Nachmittag nach Cannobio zurück, um dann am nächsten Tag eine

überraschungsreiche Rundwanderung in die entgegengesetzte Richtung zu unternehmen. Wir besuchten kleine Bergdörfer wie Sant' Agata, Campeglio, San Bartalomeo Montibus und Formino (mit heute nur noch drei Einwohnern). Eine spezielle Augenweide war Ronco, ein eigentliches Künstlerdorf. Schon der Weg dorthin war gezeichnet mit vielseitigen Kunstobjekten. Um sämtliche der gut ein Dutzend Steinhäuser sind eine Vielzahl von künstlerischen Formen aufgestellt. Nichts war gewöhnlich, alltäglich oder dem Zufall überlassen: Kunst auf einfache, innovative und ästhetische Art gab es überall zu bestaunen. Wohl mancher, der diese Ortschaft besucht, fragt sich, ob man da wohl noch ein Haus mieten oder kaufen kann.

 

italien3.jpgGeplant war das Mittagessen in einem Restaurant in Sant' Agata. Da dies in dieser Jahreszeit jedoch bereits geschlossen war, hatte unsere Reiseleiterin, die ihren Job mit viel Engagement und Expertise ausführte, kurzerhand die Leute in San Bartalomeo angefragt, ob sie etwas Kleines zubereiten könnten. Und sie sagten nicht nein. Es schien als wäre das halbe Dorf engagiert worden. In einer Freiluftküche gleich hinter der Kappelle, die dem christlichen Märtyrer San Bartalomeo geweiht ist, wurde ein üppiges Mittagessen mit lokalen Produkten

zubereitet: Vorspeise, Polenta, Salat, Kaffee und Kuchen. Die Männer kochten, die Frauen servierten... Und da sie dann nicht einfach abseits stehen wollten, fragten sie, ob sie mit uns essen könnten. So gab es bald einen regen Austausch mit diesen überaus gastfreundlichen und lebhaften Menschen aus dem Bergdorf. Auch wer von uns nicht italienisch sprach - ein grazie mille und molto bene brachten alle raus. Als wir am Schluss noch ein kleines Dankeslied sangen, war es schwierig auszumachen, wer am meisten berührt war ...

 

Der nächste Morgen war Markttag in Cannobio. Wer nicht einkaufen wollte, hatte noch einmal Gelegenheit, den italienischen Charme auf eigene Faust zu entdecken. Um 13 Uhr fuhr das Schiff Richtung Locarno, wo auch schon der Zug bereitstand. Obwohl es bereits Oktober war, erlebten wir noch einmal den Sommer im bella Italia. Nun galt es wieder mit dem Herbst und der guten alten Schweiz vorlieb zu nehmen. Doch in unseren Herzen wird für immer ein Platz für das schöne Italien am Lago Maggiore erhalten bleiben.

 

Guido von Arx, im Oktober 2008