• Andalusien

Andalusien

Auf der Route der weissen Dörfer

An der Atlantikküste Andalusiens scheinen sich die Wellen des Mittelmeeres in der Landschaft fortzusetzen: sanfte Hügel, fruchtbare Felder, weite Weiden und Korkeichen. Weisse Dörfer durchbrechen den Rhythmus der Natur. Gegen Osten türmt sich ein Gebirge auf, die Serrania de Ronda, mit einsamen Tälern und Naturschutzgebieten. Am Fusse der Sierra Nevada liegt schliesslich Granada mit der Alhambra, dem grössten Meisterwerk islamischer Baukunst in Europa, wo die maurischen Sultane bis ins Jahr 1492 den anstürmenden Spaniern erfolgreich die Stirne boten.

Erfasst von Marianne Zimmermann, Reiseleiterin Andalusien

Costa de la Luz

In gut zwei Flugstunden landen wir in Málaga. Wir bewundern das üppige Grün und die vielseitige Vegetation auf unserer Fahrt nach Costa de la Luz. Feriensiedlung reiht sich in Meeresnähe eine an die andere: Torremolinos, Benalmádena, Marbella, alles wohlklingende Namen, hinter denen sich Tourismusgeschichte verbirgt. Nach Algeciras, der Hafenstadt mit Fährverbindungen nach Marokko, verändert sich die Landschaft. Wir verlassen die Autobahn, es wird kurvenreicher, fast schon bergig. Die Strasse führt uns hinaus in eine Wildnis. Einsam sind die Schluchten, fast entrückt die Aussicht. Und da ist sie, unsere Küste, la Costa de la Luz, die Küste des Lichtes.

Sejer de la Frontera, Naturpark la Breña und Cadiz

Vielleicht die schönste Kleinstadt im Süden von Spanien, empfängt uns Vejer de la Frontera etwas verschlafen. Noch ist es still in den verwinkelten Gassen mit den weiss getünchten Häusern. Es ist, als ob wir in eine andere Welt und Zeit eintreten würden. Hier beginnt unsere erste Wanderung. Eindrücklich sind

die satt grünen Felder, die sanften Hügel, die Schirmpinien und schliesslich das Rauschen des Atlantiks. Das Ziel, der Pinienhain und die Küste mit dem legendären Cabo de Trafalgar. Hier errang der englische Admiral Nelson 1805 in seiner letzten Schlacht den Sieg über die spanisch-französische Flotte, den er mit seinem Leben bezahlte.

Am nächsten Tag führt unser Weg uns durch eine wunderbare Küstenlandschaft. Im einst wichtigen Fischerort Barbate endet die heutige Wanderung, doch noch nicht der Tag: Kulinarisches und Kulturelles stehen heute noch auf dem Programm! In Chiclana erfahren und probieren wir wie die Weine aus dem Sherry Gebiet sind. Das Mittagessen wird uns in Mitten der Weinfässer serviert: Pescado frito, frittierter Fisch und ein währschafter Eintopf, wie er in Cádiz gerne gegessen wird.

Sierra de Grazalema und Ronda

In Benamahoma beginnt der heutige Wanderweg an einem kleinen Bach. Vogelgezwitscher, das Rauschen des Wassers und die ersten wärmende Sonnenstrahlen verzaubern uns. Weit weg sind wir vom Alltag, jeder auf seine Weise. Am Mittagstisch in el Bosque, wo frische Forelle serviert wird, finden wir schnell wieder zu einander. Ein neues Ziel liegt noch vor uns: Ronda.

In Ronda, so erfahren wir vom einheimischen Stadtführer, liegt die Wiege des modernen Stierkampfes. Es waren Schmuggler und Banditen, die die Gegend kontrollierten und Poeten wie Ernest Hemingway, die die Schönheit des Hochplateaus in Worte fassten.

Auf einem Bergweg steigen wir hinein in die Karstlandschaft. Eindrücklich ist die raue Schönheit dieser Gegend. Die vielen Steineichen dienten früher der Holzkohlegewinnung. Viele haben jetzt bizarre Formen und wir übertreffen uns beim Erkennen von Fabelwesen in ihrem Geäst. Fast unwirklich ist diese Gegend in ihrer Schönheit. Wir vergessen Zeit und Raum.

Alhambra und Granada

Richtung Osten verlassen wir Ronda. Wieder sind es weite Felder, Olivenhaine, Weiden und nur ganz wenige Ortschaften, die an unseren Augen vorbeiziehen. In Garnada sammeln wir in der Altstadt die ersten Eindrücke. Danach ist es so weit, wir besuchen die Alhambra. Wir lassen uns durch die Worte der Führerin leiten; durch die Höfe, die Gärten, den Generalife und die Alcazaba, und endlich öffnen sich die Tore zu den maurischen Palästen, den Palacios Nazaries. „Quien no ha visto Granada, no ha visto nada“. Wer Granada nicht gesehen hat, hat nichts gesehen. Das sagte man sich früher – gilt aber zweifellos auch noch heute.

Zufrieden kehren wir am nächsten Tag der Stadt den Rücken und nehmen denselben Weg zur Küste wie damals der letzte Mauren-König Boabdil. Er musste seine Stadt verlassen, denn die christlichen Heere hatten gesiegt. Genau wie er damals, kommen wir an die Küste. Doch unser Herz ist leicht. Wir können das Meer, das kleine Strandrestaurant und den strahlend blauen Himmel zum Abschied geniessen, bevor wir zurück in die Schweiz fliegen.

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