Earth Overshoot Day

Jedes Jahr markiert der Earth Overshoot Day den Tag, an dem die Menschheit alle biologischen Ressourcen verbraucht hat, die die Erde im Laufe eines ganzen Jahres erneuern kann. Der Earth Overshoot Day wird vom Global Footprint Network organisiert und berechnet, einer internationalen Forschungsorganisation, deren Ziel es ist, Informationen und Lösungen für ein Leben im Einklang mit den Möglichkeiten unseres Planeten bereitzustellen.

Verfasst von Sandra Zimmermann, Nachhaltigkeits-Verantwortliche bei Imbach Reisen

23. September 2026

Was ist der COUNTRY Overshoot Day?
Jedes Jahr markiert der «Country Overshoot Day» das Datum, an dem der «Earth Overshoot Day» liegen würde, wenn die gesamte Menschheit so leben würde wie die Menschen in diesem Land. Mit anderen Worten: Es ist der Tag, an dem das jährliche Biokapazitätsbudget des Planeten aufgebraucht wäre, wenn jeder Mensch auf der Erde so viel verbrauchen würde wie die Einwohner dieses Landes.

Die Overshoot-Tage der einzelnen Länder werden jährlich veröffentlicht. Sie werden Ende Dezember des Vorjahres auf der Grundlage der neuesten Daten aus der aktuellen Ausgabe der National Footprint and Biocapacity Accounts – derzeit die Ausgabe 2025 – bekannt gegeben. Das Datum des Earth Overshoot Day wird am Weltumwelttag (5. Juni) bekannt gegeben.

Wie früh ein Overshoot Day eintritt, hängt stark vom Lebensstil und Energieverbrauch eines Landes ab. Wohlhabende Staaten landen oft schon im ersten Halbjahr im ökologischen Minus: Katar hat seine Ressourcen bereits im Februar verbraucht, Luxemburg im frühen Frühling und die USA noch vor dem Sommer. In ärmeren Ländern wie etwa Indonesien oder Ecuador tritt der Overshoot Day erst gegen Jahresende ein. 

  • Platz 10: Dänemark – 20. März
  • Platz 9: Australien – 16. März
  • Platz 8: USA – 14. März
  • Platz 7: Bahrain – 11. März
  • Platz 6: Kanada & Vereinigte Arabische Emirate – 8. März
  • Platz 5: Mongolei – 5. März
  • Platz 4: Kuwait – 3. März
  • Platz 3: Singapur – 23. Februar
  • Platz 2: Luxemburg – 17. Februar
  • Platz 1: Katar – 4. Februar

Wie wird der Country Overshoot Day kalkuliert?
Die Overshoot Days der einzelnen Länder für das Jahr 2026 basieren auf der Ausgabe 2025 des Berichts. Für die meisten Länder spiegeln die berechneten Daten ihre Situation im Jahr 2024 wider, dem aktuellsten verfügbaren Datenpunkt. Die vollständige Ausgabe 2025 wurde am Earth Day 2025 veröffentlicht und von der Ecological Footprint Initiative der York University für die Footprint Data Foundation (FoDaFo), dem Leitungsgremium der National Footprint and Biocapacity Accounts, erstellt.

Die Ausgabe 2025 enthält Ergebnisse aus den Jahren 1961 bis 2024. Aufgrund von Zeitverzögerungen bei der Datenübermittlung basieren die Ergebnisse für die Jahre 2022 bis 2024 auf einer Mischung aus tatsächlichen Daten und vorläufigen Schätzungen. Diese vorläufigen Schätzungen sind, ähnlich wie BIP-Prognosen, weniger zuverlässig als die für frühere Jahre, die auf vollständig gemeldeten Datensätzen beruhen.

Beispiel: Berechnung des Overshoot-Tages der Schweiz
Der Overshoot-Tag der Schweiz für das Jahr 2026 basiert auf Daten aus der Ausgabe 2025 der Nationalen Fussabdruck- und Biokapazitätsbilanz. Da der aktuellste Datenpunkt das Jahr 2024 betrifft, spiegelt der Overshoot-Tag der Schweiz für 2026 die Ressourcenbilanz des Landes im Jahr 2024 wider:

Ökologischer Fussabdruck der Schweiz: 4,15 globale Hektar (gha) pro Person im Jahr 2024
Globale Biokapazität: 1,48 gha pro Person im Jahr 2024
Somit würde die Menschheit im Jahr 2024 (4,15/1,48) = 2,8 Erden benötigen, um sich zu versorgen, wenn alle so leben würden wie die Schweizer.

Da das Jahr 2026 365 Tage umfasst, können wir den Schweizer Overshoot Day bestimmen:

365 [Tage im Jahr 2026] * (1,48/4,15) = 130,1 [Tage].
Das bedeutet, dass die Menschheit das jährliche Budget an regenerativen Ressourcen am Tag nach dem 130. Tag des Jahres 2026, also am 11. Mai, aufgebraucht hätte.

Swiss Overshoot Day am 11. Mai 2026
Am 11. Mai ist Swiss Overshoot Day. Wir haben alle natürlichen Ressourcen verbraucht, die uns rechnerisch für das ganze Jahr zustehen. Ab jetzt leben wir auf Kosten anderer Länder und künftiger Generationen. Würden alle Menschen so leben wie in der Schweiz, bräuchte es über 2,8 Erden. 

Der Swiss Overshoot Day fällt seit Jahren auf ein ähnliches Datum. Im vergangenen Jahr auf den 7. Mai, 2022 und 2023 auf den 13. Mai. Je weiter hinten im Kalender der Overshoot Day liegt, desto geringer der Ressourcenverbrauch. Doch da ist kaum etwas passiert. Die minimalen Verschiebungen zeigen: Die Schweiz tritt auf der Stelle. 

Der weltweite Overshoot Day fällt auf Ende Juli. Dass die Schweiz so negativ heraussticht, liegt an dem überproportional hohen Konsum der Schweizer Bevölkerung in mehreren Bereichen: Mobilität (insbesondere Fliegen und Autofahrten), Wohnen (insbesondere Öl- und Gasheizungen), Ernährung (insbesondere tierische Produkte und Lebensmittelverschwendung) sowie Fast Fashion und Fast Elektronik.

Zitat Thomas Vellacott, CEO WWF Schweiz:
«Der Swiss Overshoot Day ist kein Naturgesetz, sondern auch die Konsequenz unzureichender politischer Rahmenbedingungen und mangelnder Regulierung. Es kann nicht sein, dass Hunderttausende Einzelpersonen ihren ökologischen Fussabdruck reduzieren, während der Schweizer Finanzplatz fossile Projekte weltweit in Milliardenhöhe finanziert. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen gemeinsam handeln, aber es ist die Politik, die den Rahmen dafür setzen muss.»

Politische Rahmensetzung als grösster Hebel
Individuelle Massnahmen sind wichtig, aber nicht genug. Der Schweizer Finanzplatz ist für ein Vielfaches der gesamten inländischen CO2-Emissionen der Schweiz verantwortlich. Eine konsequente Anpassung der Rahmenbedingungen für diesen Sektor hätte eine Wirkung, die kein individuelles Verhalten erzielen kann. Lösungen, wie sie die Finanzplatz-Initiative präsentiert, sind deshalb so wichtig.

Der politische Wille dazu ist gesellschaftlich breit abgestützt: 80 Prozent der Menschen weltweit fordern von ihren Regierungen mehr Klimaschutz. Dass entschlossenes Handeln möglich ist, zeigt die Santa Marta Konferenz. Eine Gruppe von Staaten, die den Ausstieg aus fossilen Energien vorantreiben will, zeigt, dass sich zukunftsorientierte Akteure nicht länger ausbremsen lassen.

Lösungsansätze:

  • Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle konsequent an planetaren Grenzen ausrichten und Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette reduzieren. Pilotprojekte wie jene von One Planet Lab zeigen, dass wirtschaftliches Handeln innerhalb planetarer Grenzen möglich und skalierbar ist.
  • Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die nachhaltiges Leben zur einfachen Wahl machen: durch eine CO2-Lenkungsabgabe auf alle Treibhausgasemissionen, die Regulierung des Finanzplatzes im Hinblick auf dessen Impact auf Klima und Natur, und die konsequente Umsetzung des Klimaschutz- und des Stromgesetzes.
  • Auch Privatpersonen können wirksam beitragen: mehr Zug statt Flug, wenn Auto dann elektrisch, Wärmepumpe statt Öl- oder Gasheizung, mehr pflanzliche Ernährung, Produkte länger nutzen, reparieren und teilen. Wer zudem demokratisch mitgestaltet und seine Geldflüsse hinterfragt, setzt Signale weit über die Schweiz hinaus.

Was ist die Donut-Ökonomie?
Die britische Wirtschaftswissenschaftlerin Kate Raworth entwickelte die Donut-Ökonomie als Alternative zum ungebremsten Wirtschaftswachstum. Denn dieses gefährdet die Gesundheit unseres Planeten und der Menschheit.

Der Donut steht für eine andere Art von Wirtschaften und für eine Wirtschaftstheorie, die sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellt. Endloses Wachstum gibt es nicht. Der Donut hat das Ziel, dass es allen Menschen gut geht – vor dem Hintergrund, dass Ressourcen wie Boden und Wasser nicht endlos sind und das Klima zu kippen droht. Der Donut gibt uns Instrumente in die Hand, Zukunftsvisionen und konkrete Lösungen wissenschaftsbasiert, gemeinschaftlich und parteipolitisch übergreifend zu erarbeiten.

Menschliche Grundbedürfnisse und planetare Grenzen, dafür steht der Ring des Donuts: Der innere Rand definiert das Minimum an Gütern und Rechten, die wir für ein glückliches Leben brauchen. Das ist das «gesellschaftliche Fundament». Niemand soll im Loch des Donuts zurückgelassen werden und unter unwürdigen Bedingungen leben. Lebensnotwendige Güter, Aktivitäten und Bedürfnisse – von Nahrung, Wasser und Wohnung über politische Teilhabe bis hin zu Frieden, Stabilität und Sicherheit – müssen für alle gewährleistet sein.

Der äussere Rand des Donuts setzt die Grenze, die wir durch unseren Konsum nicht überschreiten dürfen, weil wir sonst das Überleben unseres Planeten gefährden. Das ist die «ökologische Decke». Nur wenn die Menschheit die ökologischen Grenzen respektiert, überstehen wir die Klimakrise, haben fruchtbare Böden, genügend Süsswasser und eine reiche Artenvielfalt. Keine gesunden und glücklichen Menschen, ohne einen lebenswerten Planeten.

Der Donut beschreibt den ökologisch sicheren und den sozial gerechten Raum. Hier werden die natürlichen Grenzen des Planeten sowie die menschlichen Bedürfnisse respektiert. Wenn wir als Menschheit, Staaten, Firmen, Individuen oder Gemeinden den Weg in den Donut finden, haben wir ein glückliches Leben in einer gesunden Umwelt.

Was der Overshoot Day nicht zeigt:
Der Ökologische Fussabdruck erfasst jedoch nur einen Teil der ökologischen Krise. Er misst den Verbrauch biologisch produktiver Flächen und die CO2-Bindung. Folgende Aspekte werden dabei nicht berücksichtigt:

  • Verlust der Biodiversität: Der Living Planet Index zeigt einen Rückgang der Wildtierpopulationen um 73 % seit 1970 (WWF 2024). In der Schweiz ist mittlerweile ein Drittel aller Arten vom Aussterben bedroht (BAFU 2025).
  • Chemische Verschmutzung: Die planetarische Grenze für neuartige Substanzen (PFAS, Mikroplastik, synthetische Chemikalien) wurde seit 2022 überschritten (Persson et al. 2022). PFAS sind an der Hälfte aller Schweizer Grundwassermessstellen nachweisbar (BAFU 2024).
  • Wasserverbrauch: Vier Milliarden Menschen leben unter extremem Wasserstress (WRI Aqueduct 2023). Diese Situation wirkt sich über die Lieferketten indirekt auch auf die Schweiz aus.

Das Konzept der planetarischen Grenzen liefert ein wesentlich umfassenderes Bild. Sieben der neun definierten Grenzen wurden bereits überschritten: Klimawandel, Integrität der Biosphäre, Landnutzungswandel, Süsswassernutzung, biogeochemische Ströme, neuartige Substanzen und seit 2025 die Versauerung der Ozeane (Stockholm Resilience Centre, Planetary Health Check 2025). Nur der Ozonabbau und die Aerosolbelastung befinden sich noch im sicheren Bereich.

Quellen: WWF, Earth Overshoot Day, Greenpeace, Watson, Geneva Environment Networt, GDI Gottlieb Duttweiler Institute, Global Footprint Network, One Planet Lab

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