Zauberhafte Ruhe

Im Frühsommer lockt Mallorca mit stillen Küstenpfaden, milden Temperaturen und üppigen Zitronenbäumen.

Eine Wanderwoche mit IMBACH Reisen zeigt die grüne und intime Seite der Baleareninsel.

Artikel aus der Schweizer Illustrierte/ Travel 2/2026

05. Mai 2026

Zur Nebensaison fühlt sich Mallorca an wie ein gut gehütetes Geheimnis. Während zu Hause die Sonne noch nicht oder bereits nicht mehr so hoch am Himmel steht, glitzert hier das Meer, sind die Temperaturen mild und die Strassen nicht überfüllt wie im Hochsommer.


Der Wandertag beginnt am Wochenmarkt von Andratx. Zwischen Oliven, Orangen und handgebundenen Kräutersträussen mischt sich mediterranes Stimmengewirr. Reiseleiter Bernhard Bütler, 64, erklärt der 13-köpfigen Gruppe, wo die besten Snacks für die Verpflegung gefunden werden können. Für Imbach Reisen wandert er ein- bis zweimal pro Jahr mit kleinen Gruppen über Mallorca und zeigt ihnen die grüne und einsame Seite der Insel. Das beste frisch gebackene Brot gibts denn laut Bütler an einem Stand am Ende des Marktes, der beste mallorquinische Ziegenkäse direkt nebenan und die leckersten getrockneten Früchte bei Verkäufer Manuel Mundilla, welcher der Wandertruppe aus der Schweiz lachend «Probiererli» hinstreckt. «Eso da fuerza en las piernas», sagt er lachend. Was so viel heisst wie: «Das gibt Kraft in den Beinen!» Nach einer kurzen Weiterfahrt mit dem privaten Bus beginnt die eigentliche Etappe: ein steiniger Höhenweg, der sich oberhalb der Westküste entlangzieht. Unter uns das intensive Blau des Mittelmeers, vor uns die zerklüftete Landschaft der Serra de Tramuntana.


Ziel ist La Trapa, ein ökologisches Schutzgebiet mit bewegter Geschichte. 1980 erwarb die Umweltorganisation Grup Balear d’Ornitología i Defensa
de la Naturalesa (GOB) das Gelände, um es als Natur- und Kulturerbe zu bewahren. Zuvor war die Finca durch Parzellierungspläne und Bauprojekte bedroht.
In der Gegend sollten Luxushotels entstehen. Stattdessen blieb die Landschaft erhalten. Heute zeugen die Ruinen des ehemaligen Trappistenklosters von einer stilleren Zeit. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann Miguel Torres-Torres ansprechen. Der Spanier im schwarzen GOB-Shirt ist Teil der ökologischen Schutzgruppe und weiss viel über das Projekt zu berichten.


Rund um die Ruinen von La Trapa ist die Arbeit nicht abgeschlossen. Freiwillige der GOB engagieren sich bis heute für den Erhalt der Anlage, führen Instandhaltungs- und Renovationsarbeiten durch und sichern die historischen Mauern. Ziel ist es, die Kulturlandschaft langfristig zu bewahren und gleichzeitig behutsam zugänglich zu halten. Das Gebiet gilt als wichtiges Rückzugsareal für die Tierwelt. Mit etwas Glück lassen sich Balearen-Grasmücken beobachten, die nur hier vorkommen, ebenso Wanderfalken, Eleonorenfalken oder Fischadler, die über der Küste kreisen. Auch Ziegen bewegen sich zwischen den Terrassenmauern, während in den Buschlandschaften Kaninchen und Eidechsen leben. Die Nähe zum Meer und zur geschützten Insel Sa Dragonera macht das Gebiet zu einem bedeutenden Vogelzugkorridor.

Bei den Klosterruinen von Sa Trapa machen wir halt. Während des Picknicks schweift der Blick über die Küste, der Wind trägt den Duft von Rosmarin und Meer heran. Gespräche entstehen mühelos. Eine der Teilnehmerinnen ist Ksenia Brunnemann, 38, Opernsängerin aus Luzern. Sie ist Mitglied im Wanderverein Luzerner Wanderwege, dort erhielt sie auch von zwei Kollegen den Tipp für eine Gruppenreise mit Imbach. Ihr Ehemann sei weniger wanderbegeistert, sagt sie lachend. Deswegen habe sie in den Ferien Anschluss gesucht, um gemeinsam mit anderen Menschen wandern gehen zu können. «Normalerweise organisiere ich alle Familienreisen selbst, mit unserer 20-jährigen Tochter ist das jeweils ein ziemlicher Aufwand. Hier muss ich mich um nichts kümmern. Nicht einmal darum, welcher Wochentag ist.» Etwas Respekt habe sie schon gehabt, so allein anzureisen. «Aber ich bin nicht die Einzige und habe schnell Anschluss gefunden.» Genau das sei das Schöne, meint sie und ergänzt: «Hier trifft man auf motivierte Wanderkameradinnen und -kameraden, denen es Freude bereitet, gemeinsam unterwegs zu sein.» Und tatsächlich, die Gruppe harmoniert. Man wartet aufeinander, teilt Brot, mallorquinischen Käse und Eindrücke, fotografiert sich gegenseitig vor der Kulisse aus Fels und Meer.

Der Abstieg anschliessend nach Sant Elm verlangt Konzentration. Der breite Weg ist steil, das Geröll lose. Doch unten im Dorf San Telmo warten Cafés und eine Promenade, die zum Flanieren einlädt. Ein letzter Blick hinüber zur Dracheninsel, dann bringt uns der Bus zurück ins Hotel. Vormittags Berge, nachmittags Strand: So heisst die Zauberformel.

Im Viersternehotel Cala Fornells lässt es sich wunderbar mit inkludier-
ter Halbpension entspannen. Von hier aus werden die Tagesetappen bewältigt, die nie länger als fünf Stunden dauern. Ein privater Bus befördert die Wanderhungrigen zu den Ausgangspunkten der jeweiligen Routen und holt sie danach wieder ab. Einige gönnen sich ein erfrischendes Bad im Mittelmeer, andere geniessen die Sonne bei einem Glas Wein auf der grossen Terrasse mit Blick auf das Meer. Und alle sind sie verblüfft, wie einsam, ruhig und zauberhaft Malle doch sein kann.

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