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Langtang-Trekking und Verlängerung

Aufgemacht haben wir uns, dieses faszinierende Nepal im Oktober 2019 zum vierten Mal zu erkunden. Offen waren wir für alle Begebenheiten, die unsern Weg zu etwas Besonderem machten.

Die Reise führte uns zurück zum kargen, einfachen Leben. Für einen längeren Zeitraum verzichteten wir auf gewohnte Annehmlichkeiten. Die natürliche Warmherzigkeit, der Kontakt, die Nähe zu den fröhlichen Menschen, die im Einklang mit der Natur leben, beeindruckten uns nachhaltig.

Reisebericht von Hans und Therese Buser, Imbach-Kunden

Langtang

Nepal – das kleine Land inmitten der höchsten Gipfel der Welt! Es fasziniert uns immer wieder mit seiner einzigartigen Landschaft, Bergwelt und herzlichen Menschen. Ziel unseres diesjährigen Trekkings war das nördlich von Kathmandu gelegene Hochtal von Langtang. Grandiose Landschaften, Abgeschiedenheit und traditionelle Lebensweise zogen uns in seinen Bann.

Das Sherpadorf Syabrubesi (2100 m) war Ausgangspunkt unseres Treks. Durch dichten, feuchten Wald folgte man dem Fluss Langtang Khola. Im oberen Teil verlief der Weg durch goldenen Lärchenwald, vorbei an Teehäusern und Lodges. Das Tal des Langtangflusses ist ein Naturschutzgebiet mit einer vielfältigen Flora. Langtang, der Ort auf 3500 m wurde beim Erdbeben 2015 völlig zerstört. 116 Häuser verschwanden, 300 Menschen starben. In 6000 m Höhe war ein grosser Teil des Lirung-Gletschers abgebrochen. Felsbrocken, Schnee und Schlamm rasten 3000 m in die Tiefe. Der Luftdruck war so stark, dass Bäume weit entfernt wie Streichhölzer umknickten.

Der Wiederaufbau der grundlegenden Infrastruktur ist fortgeschritten. Die Bewohner sind in ihre verwüsteten Gegenden zurückgekehrt und mit erstaunlichem Geschick arbeiten sie hart am Aufbau ihrer Häuser. Zur Selbstversorgung tragen bescheidener Ackerbau und die Haltung von Yaks (Rinder) bei. In Kyanjing (3850 m), der Sommersiedlung, entstand wieder eine Käserei. Eindrucksvoll ist die Bergwelt und Gletscherlandschaft in Kyanjing. Lohnend und mit fantastischer Bergsicht war die Tagestour auf den Gipfel Kyanjing Ri (4300 m).

Der Trekkingtourismus ist eine lebensnotwendige Quelle für Nepal. Der Lohn von Trägern und Führern ist die wichtigste externe Einnahmequelle der Menschen. Dank ihnen haben wir Nepal in seiner ganzen Schönheit und landschaftlichen Vielfalt erlebt .

Tashinam

Dieses mal konnten wir unseren Aufenthalt in Nepal noch etwas verlängern und verbrachten noch ein paar Tage im Bergdorf Tashinam. Dass Nepals Strassen zu den gefährlichsten weltweit gelten, erfuhren wir im zweiten Teil unseres Trekkings auf der Fahrt Richtung Jagat. Die Bergstrasse ist eine holprige Geröllwüste. Staubig sind auch die Dörfer am Strassenrand. Zünftig durchgeschüttelt kamen wir in Jagat an und bezogen unsere Unterkunft in einer ganz einfachen Lodge, wo uns eine junge Frau ein schmackhaftes Nachtessen auf offenem Feuer bereitete.

Am nächsten Tag stiegen wir mehr als 6000 Steinstufen zickzack 1000 m hoch ins abgelegene Bergdorf Tashinam (2375 m). Padam war unserer einheimischer Führer, Berindra unser kräftiger, verlässlicher Träger. Er freute sich aufs Heimkommen. Nach 6 Monaten im Spital ist sein 14-jähriger Bruder wieder zurück. Berindra freut sich auf das Wiedersehen. Den steilen, schmalen Weg wurde sein Bruder vom Vater getragen. Das Dorf ist nämlich nur zu Fuss erreichbar.

In Tashinam fühlten wir uns um Jahrzehnte zurückversetzt. Kleine Streusiedlungen schmiegen sich an grüne Hänge. Die blauen Dächer erinnern an die Erdbebenzerstörungen. Bauholz, Steine und Wellblech müssen über weite Strecken hochgetragen werden. Noch mangelt es an Geld für neue Fenster und Dächer. Nur eine gute Selbstversorgung garantiert das Überleben im armen Bergdorf. Lebensgrundlage bildet der Anbau von Mais, Gerste, Weizen, Hirse und Kartoffeln. Sattgrüne Felder und Terrassen liegen auf vielen Stufen. Steil und eng ist es an den Berghängen. Sogar Bananen, Tomaten und Kiwi wachsen hier oben.

Während unserer Verlängerung lernten wir das fünftägige Familienfest kennen. Es sind Tage der Freude und Dankbarkeit für eine gute Ernte. Für uns war es ein wenig wie Weihnachten. Padam und seine Frau ermöglichten uns den Kontakt zur Bevölkerung. Überall wurden wir freundlich begrüsst und zu Tee, Yoghurt, Reisgebäck und Schnaps (in einer rauchschwarzen Pfanne erwärmt) eingeladen. Ein Verwandter von Padam beherbergte uns. In seiner Küche zauberte Padams Frau auf offenem Feuer köstliche Mahlzeiten zu. Wenn wir bereits im Schlafsack dösten, hörten wir noch lange das fröhliche Lachen der Menschen.

Der Abschied fiel uns schwer, liessen wir doch einen einsamen Mann zurück, der uns für seinen Sohn in Kathmandu einen Sack Kartoffeln mitgab. An den Grossvater mit den 3 Enkelkindern, deren Eltern für 3 Jahre in Dubai arbeiten, denken wir jeden Tag. Berindras Familie mit dem am Bein operierten Sohn werden wir weiter unterstützen, da sie die Spitalkosten nicht bezahlen können. Uns bleibt Berindras scheues, ein wenig stolzes Lächeln, als er mit seinem Trekkinglohn für seine Eltern und Geschwister 35 kg Reis auf dem Rücken mit Stirnriemen heimtragen konnte.

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