Muotatal

Es gibt Dörfer in der Schweiz, die verstecken sich derart gut auf der Landkarte,
dass sie jahrzehntelang unbemerkt bleiben. Jedenfalls für mich. Auf jeden Fall gilt dies für Illgau.

 

Blogbeitrag von Heinz Staffelbach, erschienen am 07.11.2020 auf Bellevue NZZ

26. November 2020

Schon einige Male bin ich ja ins Muotathal gefahren und habe auch den Wasserfall bestaunt, der sich linker Hand 200 Meter über ein Felsband stürzt. Dass sich darüber aber noch ein Dorf ausbreitet, entging mir lange Zeit. Bis ich es auf der Karte bewusst wahrnahm – und sofort dachte: Dieses Illgau will ich demnächst erwandern. Es hat nochmals etwa zehn Jahre gedauert, bis es geklappt hat. Und um die Sache etwas spannender zu gestalten, bin ich nicht einfach vom Tal hochgelaufen. Mit einem Start auf der Rotenflue, beim Grossen Mythen gelegen und schweisslos mit einer Luftseilbahn erreichbar, hatte ich gleich noch ein Bergerlebnis – ich konnte mich über einige Kreten diesem Illgau nähern und hatte dabei auch noch tolle Blicke in die Innerschweizer Alpen und über Teile des Vierwaldstättersees.

Durch das Moor in die Abgeschiedenheit

Die ganze Wanderung ist mit etwa zwölf Kilometern Länge und nur wenig Aufstieg locker machbar. Nach einer knappen Stunde wartet auf der Ibergeregg gar eine Möglichkeit für einen Kaffeestopp (an schönen Wochenenden kann es hier aber recht geschäftig und motorig zu- und hergehen). Der Abstieg von der Sternenegg nach Illgau führt im oberen Teil durch eine ganze Reihe von kleineren Hangmooren.

Wem der Schnauf etwas früher ausgehen sollte, oder wer sich einen Wanderschuh voll aus dem Moor zieht, der kann auch von Oberberg die Luftseilbahn nach Illgau nehmen (und spart damit eine knappe Stunde Abstieg). Dass dieses Illgau tatsächlich ein Ort zum Verstecken ist, kann man auch in der Dorfchronik nachlesen, als «letzte Zufluchtsmöglichkeit für Personen» wird es hier beschrieben, «die, aus welchem Grunde auch immer, ganz in Abgeschiedenheit leben wollten». Schön, gibt es noch solche stillen Ecken in der Schweiz.

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